Eine ausgebaute Traktionsbatterie steht auf der Palette, der Käufer fragt nach dem Zustand, und im Angebot landet eine Zahl: SoH 87 Prozent. Sie stammt aus einem Auslesegerät, das sie aus Steuergerätedaten ableitet. Ein anderes Gerät nennt am selben Tag 91 Prozent. Beide Werte sind nicht falsch — sie messen Verschiedenes. Wer eine Batterie verkauft, verkauft deshalb nicht eine Zahl, sondern eine nachvollziehbare Akte.
Was das Recht heute schon verlangt
Artikel 14 der Verordnung (EU) 2023/1542 trägt die Überschrift „Informationen über den Alterungszustand und die voraussichtliche Lebensdauer von Batterien“. Seit dem 18. August 2024 müssen die Batteriemanagementsysteme stationärer Speicher, von Batterien leichter Verkehrsmittel und von Elektrofahrzeugbatterien aktuelle Daten zu Alterungsparametern bereithalten — zugänglich für den Endnutzer und für Dritte, die in seinem Auftrag handeln. Ab dem 18. Februar 2027 kommt der Batteriepass nach Artikel 77 hinzu, erreichbar über einen QR-Code. Für den Zweitmarkt heißt das: Die Daten sind da, die Frage ist nur, ob Ihre Akte sie enthält.
Warum zwei Geräte zwei Zahlen nennen
- Verschiedene Bezugsgrößen. Kapazität gegen Nennkapazität, Innenwiderstand, Energiedurchsatz — jede Definition ergibt eine andere Prozentzahl.
- Verschiedene Zustände. Temperatur, Ladezustand und Ruhezeit vor der Messung verschieben das Ergebnis, teils deutlich.
- Herstellerlogik. Viele Werte stammen aus dem Steuergerät und folgen dessen interner Rechnung, nicht einer Norm.
- Zellebene gegen Paketebene. Ein Mittelwert über das Paket verdeckt eine schwache Zellgruppe, die den Wert im Betrieb bestimmt.
- Historie fehlt. Ein Momentwert ohne Verlauf sagt nichts über Schnellladeanteil, Tiefentladungen oder thermische Ereignisse.
Die Batterieakte, die einen Verkauf trägt
| Feld | Inhalt | Warum es zählt |
|---|---|---|
| Identität | Herstellerkennung, Typ, Seriennummer des Pakets | Ohne Exemplarkennung ist keine Historie zuordenbar |
| Herkunft | VIN des Spenderfahrzeugs, Laufleistung, Ausbaudatum | Unterscheidet Alltagsnutzung von Unfallfahrzeug |
| Messwert | SoH mit Verfahren, Gerät, Softwarestand | Macht den Wert vergleichbar und wiederholbar |
| Messbedingungen | Datum, Temperatur, Ladezustand, Ruhezeit | Erklärt Abweichungen zu einer späteren Messung |
| Sicherheitsbefund | Gehäuse, Stecker, Dichtheit, Auffälligkeiten | Entscheidet über Transportfähigkeit und Verwendbarkeit |
| Ereignisse | Unfall, Wassereintritt, thermisches Ereignis, Rückruf | Schließt Verwendungen aus, die der Messwert allein zulässt |
| Zweckbindung | Vorgesehene Verwendung: Reparatur, Second Life, Verwertung | Die Anforderungen unterscheiden sich je Zweck deutlich |
Wo tapinomahub in diese Akte passt
Die Plattform misst keine Batterien und liest keine Steuergeräte aus — das leistet Diagnosetechnik. Sie trägt die Umgebung der Akte: GET /vin/{vin}/vehicle belegt Herkunft und Fahrzeugtyp, GET /recalls/vehicles/{vin} gleicht Rückrufe zum Spenderfahrzeug ab, GET /parts/oe/{oeNumber} bestätigt die Teileidentität des Pakets, und POST /vision/identifiers/redact hält Seriennummern aus Angebotsbildern heraus, solange sie dort nicht hingehören. Der Messwert bleibt, was er ist: eine Angabe Ihres Prüfgeräts, die Sie verantworten.
Grenzen
- Sichtprüfung ersetzt keine Diagnose. Eine Bildanalyse kann Gehäuseschäden zeigen, nicht den Zustand der Zellen.
- Ein Momentwert ist keine Prognose. Die Restlebensdauer hängt am künftigen Einsatzprofil, nicht nur am heutigen Zustand.
- Transport und Lagerung sind eigene Regeln. Beschädigte oder kritisch defekte Batterien unterliegen besonderen Anforderungen — siehe Beschädigte Hochvoltbatterien sicher lagern, übergeben und transportieren.
- Second Life ist eine Statusfrage. Wer eine Batterie umwidmet, wird unter Umständen selbst zum Wirtschaftsakteur mit eigenen Pflichten; siehe Second Life oder Recycling? Traktionsbatterien richtig entscheiden und Batterierecht im Teilehandel: Rücknahme, Lieferkette und Nachweise.
- Arbeitsschutz geht vor. Arbeiten am Hochvoltsystem setzen Qualifikation und Freischaltung voraus — Elektrofahrzeuge verwerten: Hochvolt, Batterie, Qualifikation.
Der Satz, der ein Angebot trägt, lautet deshalb nicht „SoH 87 Prozent“, sondern: „Ausgelesener Alterungswert 87 Prozent, Verfahren und Gerät genannt, gemessen am 12.09.2026 bei 21 °C und 60 Prozent Ladezustand, Herkunft belegt, keine sicherheitsrelevanten Befunde.“ Das ist länger — und es ist das, was ein gewerblicher Käufer prüfen kann.
Quellen und Rechtsgrundlagen
Häufige Fragen
Muss der Hersteller die SoH-Daten herausgeben?
Artikel 14 der Batterieverordnung verlangt seit dem 18. August 2024, dass die genannten Batteriemanagementsysteme Alterungsdaten bereithalten und für den Endnutzer sowie beauftragte Dritte zugänglich sind.
Ab wann gibt es den Batteriepass?
Ab dem 18. Februar 2027, erreichbar über einen QR-Code, für Batterien leichter Verkehrsmittel, Industriebatterien über 2 kWh und Elektrofahrzeugbatterien.
Darf ich einen Wert aus dem Fahrzeug ohne eigene Messung verkaufen?
Ja, wenn Sie ihn als ausgelesenen Herstellerwert kennzeichnen und die Bedingungen nennen, unter denen er entstanden ist. Als eigene Messung ausgeben dürfen Sie ihn nicht.
Was ist der häufigste Fehler im Angebot?
Ein Prozentwert ohne Verfahren und Datum. Er lädt zur Reklamation ein, weil der Käufer bei seiner eigenen Messung fast immer eine andere Zahl erhält.
