Beim Ankauf entscheidet sich der Ertrag eines Fahrzeugs — nicht beim Verkauf. Wer zu teuer einkauft, arbeitet die Marge weg, egal wie gut die Demontage läuft. Wer zu vorsichtig einkauft, bekommt die interessanten Fahrzeuge nicht. Zwischen beiden liegt eine Kalkulation, die aus vier Bestandteilen besteht.
Die vier Bestandteile des Werts
| Bestandteil | Wie er entsteht | Wie sicher er ist |
|---|---|---|
| Teileerlös | Summe der verkaufsfähigen Bauteile über die Liegezeit | Der größte und der unsicherste Posten |
| Metallwert | Restkarosse und Metallfraktionen nach Gewicht | Gut kalkulierbar, aber kursabhängig |
| Edelmetalle | Katalysator und weitere Bauteile im Abgasstrang | Erheblich, siehe Katalysator: Warum er einzeln erfasst gehört |
| Kosten | Transport, Trockenlegung, Demontagezeit, Lagerplatz, Entsorgung | Der Posten, der am häufigsten zu niedrig angesetzt wird |
Der Teileerlös ist der Posten, der über den Erfolg entscheidet, und zugleich der einzige, der sich nicht wiegen lässt. Er hängt von Baureihe, Ausstattung, Zustand und Marktlage ab — und davon, wie tief der Betrieb demontiert, siehe Demontagetiefe: Welche Teile sich auszubauen lohnen.
Was vor dem Angebot bekannt sein sollte
- Fahrzeugidentität. Fahrgestellnummer, Baureihe, Baujahr, Motorisierung, Getriebe. Diese Angaben ergeben sich aus einer Abfrage, nicht aus dem Anblick — siehe VIN-Abfrage in der Praxis: Ablauf, Ergebnis, Abrechnung.
- Ausstattung. Sie entscheidet über die interessanten Teile. Ein Fahrzeug mit hochwertiger Ausstattung ist bei gleichem Blech deutlich mehr wert.
- Zustand und Vollständigkeit. Fehlende Bauteile mindern den Wert unmittelbar; ein bereits ausgebauter Katalysator ist der klassische Fall.
- Rechtliche Einordnung. Ware oder Abfall — das entscheidet über den weiteren Weg und über die Kosten, siehe Gebrauchtwagen oder Altfahrzeug? Die Abgrenzung beim Export.
- Eigene Historie. Was haben vergleichbare Fahrzeuge in diesem Betrieb tatsächlich eingebracht?
Die typischen Fehlkalkulationen
- Die Liegezeit vergessen. Ein Teil, das achtzehn Monate im Regal steht, hat Lagerkosten verursacht und Kapital gebunden.
- Vom Bestpreis rechnen. Der einmal erzielte Höchstpreis für ein Steuergerät ist kein Erwartungswert.
- Die Demontagezeit unterschätzen. Ausbau, Reinigung, Erfassung und Einlagerung sind Arbeitszeit, auch wenn sie nicht als Rechnung erscheint.
- Entsorgungskosten übersehen. Was nicht verkauft wird, muss weg — und das kostet je Fraktion unterschiedlich viel.
- Den Metallwert als Untergrenze behandeln. Er ist eine Untergrenze für die Karosse, nicht für das Fahrzeug einschließlich aller Kosten.
Welche Fahrzeuge sich lohnen
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht — sie hängt vom Absatzkanal, vom Lagerplatz und vom Kundenkreis ab. Es gibt aber wiederkehrende Muster:
- Verbreitete Baureihen liefern viele Teile mit vielen Interessenten, aber auch viele Wettbewerber und niedrige Preise.
- Ausgelaufene Baureihen liefern weniger Nachfrage je Teil, dafür oft ohne Vergleichsangebot — und damit bessere Preise.
- Junge Unfallfahrzeuge liefern hochwertige, gefragte Teile, kosten aber im Ankauf entsprechend.
- Fahrzeuge mit teurer Ausstattung liefern Bauteile, deren Neupreis den Gebrauchtteilmarkt attraktiv macht.
Welches Muster für den eigenen Betrieb gilt, steht in den eigenen Zahlen — und nur dort. Eine Marktbewertung liefert das Erlöspotenzial der Teile; welche Baureihen sich in Ihrem Betrieb tatsächlich lohnen, sagt erst der Abgleich mit dem eigenen Absatz.
Teilepotenzial ist nicht gleich maximaler Ankaufspreis
GET /vin/{vin}/economic-evaluation liefert das Erlöspotenzial bewerteter Teile als min, average und max, ein Demontage-Ranking und eine Empfehlung auf dokumentierten Annahmen. Materialwert, Transport, Gebühren, Lohn, Prüfung, Lager, Plattformkosten, Risiko und tatsächlicher Zustand gehören nicht automatisch vollständig dazu.
Betriebsfall: 20 Minuten bis zum Auktionsende
Der Einkäufer erfasst VIN, Zustand und Kostenannahmen. Die Analyse bewertet eine begrenzte Zahl relevanter Teile und kann zunächst einen Job liefern. Das System zeigt danach drei Szenarien statt eines scheinbar sicheren Einzelpreises.
| Szenario | Verwendung | Freigaberegel |
|---|---|---|
| min | Stressfall für langsamen Abverkauf oder schwächere Preise | Gebot bleibt nach Sicherheitsabschlag tragfähig |
| average | Arbeitswert der internen Kalkulation | Nur mit Zustand, eigenen Kosten und Historie |
| max | Chancenfall, nicht automatisch erzielbarer Erlös | Keine Gebotsbasis ohne dokumentierte Begründung |
- Top-Teile prüfen: Schaden, Vollständigkeit und Verkaufsfähigkeit.
- Material ergänzen: eigenes Gewicht oder Ausbeute mit aktuellem Nettoangebot verknüpfen.
- Kosten abziehen: Abholung, Gebühr, Behandlung, Arbeit, Lager und Vermarktung.
- Risiko begrenzen: Schlüsselverlust, Hochvolt-, Brand-, Wasser- oder Strukturschaden berücksichtigen.
- Lernen: Prognose, Freigabe und Ist-Ertrag derselben Fahrzeugakte zuordnen.
Kennzahlen: Prognose-Ist-Abweichung, Deckungsbeitrag je Fahrzeug, Verlustquote, Abverkauf der Top-Teile, Tage bis Break-even und Gründe für Abweichungen.
Quellen und Rechtsgrundlagen
Häufige Fragen
Kann man den Wert eines Altfahrzeugs pauschal berechnen?
Nur den Metallanteil. Für den Teileerlös liefert eine Marktbewertung das Erlöspotenzial aus Angeboten; ob es sich im eigenen Betrieb realisiert, hängt von Baureihe, Ausstattung, Demontagetiefe und eigenem Absatz ab und zeigt erst die eigene Historie.
Welche Angabe ist beim Ankauf die wichtigste?
Die Fahrgestellnummer. Sie führt zu Baureihe, Motorisierung und Ausstattung — und damit zu allem, was den Teileerlös bestimmt.
Wie berücksichtige ich fehlende Bauteile?
Als unmittelbaren Abzug. Ein fehlender Katalysator oder ein ausgebautes Steuergerät nimmt genau den Posten heraus, der den Ankauf getragen hätte.
Ab wann rechnet sich eine eigene Auswertung?
Sobald die Teileverkäufe an Fahrzeugen hängen. Nach wenigen Monaten zeigt sich, welche Baureihen tatsächlich tragen — und das ist eine andere Liste, als die meisten erwarten.
